Echolalie bei Kindern

Echolalie bei Kindern: Bedeutung, Ursachen und Umgang im Alltag

Für viele Eltern wirkt es zunächst befremdlich oder sogar besorgniserregend, wenn Kinder Wörter oder ganze Sätze wiederholen. Dieses Phänomen wird Echolalie genannt. In vielen Fällen ist Echolalie jedoch ein normaler Bestandteil der kindlichen Sprachentwicklung. Was dabei unbedenklich ist und wann eine logopädische Abklärung sinnvoll sein kann, erklären wir in diesem Artikel.

Was ist Echolalie?

Echolalie bezeichnet das Wiederholen von gehörten Wörtern, Satzteilen oder ganzen Sätzen. Diese Wiederholungen können unmittelbar nach dem Hören oder zeitverzögert erfolgen.


Wichtig: Echolalie ist keine Krankheit, sondern ein sprachliches Phänomen, das insbesondere im frühen Spracherwerb häufig auftritt.

Formen der Echolalie

Echolalie kann in unterschiedlichen Formen auftreten:

  • Unmittelbare Echolalie
  • Verzögerte Echolalie
  • Funktionale Echolalie
  • Nicht-funktionale Echolalie

Bei der unmittelbaren Echolalie wiederholt das Kind Gesagtes direkt nach dem Hören. Dies ist vor allem bei jüngeren Kindern üblich und Teil der normalen Sprachentwicklung.

Die verzögerte Echolalie beschreibt das Wiederholen von Wörtern oder Sätzen Stunden, Tage oder sogar Wochen später. Diese stammen häufig aus Filmen, Büchern oder emotional bedeutsamen Situationen.

Von funktionaler Echolalie spricht man, wenn die Wiederholungen eine kommunikative Bedeutung haben, etwa zur Kontaktaufnahme, zur Beantwortung einer Frage oder zum Ausdruck von Bedürfnissen.

Die nicht-funktionale Echolalie hingegen beschreibt Wortwiederholungen ohne erkennbaren Bezug zur aktuellen Situation.

Formen der Echolalie

Echolalie in der normalen Entwicklung

Besonders häufig tritt Echolalie bei Kindern zwischen dem ersten und dritten Lebensjahr auf. Kinder lernen Sprache durch Nachahmung und die Echolalie hilft ihnen dabei,

  • Sprachmelodien zu erfassen
  • Wörter abzuspeichern
  • Sprechabläufe zu üben

In der Regel verschwindet Echolalie von selbst, sobald sich eine eigenständige, aktive Sprache entwickelt.

Wann sollte sie abgeklärt werden?

Echolalie ist im Kleinkindalter normal. Auffällig kann sie werden, wenn:

  • Wortwiederholungen deutlich über das Kleinkindalter hinaus anhalten
  • sich kaum eigene, spontane Sprache entwickelt
  • die Kommunikation dadurch stark eingeschränkt ist

In solchen Fällen kann Echolalie im Zusammenhang stehen mit:

  • Autismus-Spektrum-Störungen
  • Sprachentwicklungsstörungen
  • neurologischen Entwicklungsbesonderheiten

Echolalie und Autismus

Echolalie allein ist kein Beweis für Autismus, kommt im Autismus-Spektrum jedoch häufiger vor. Dort kann sie ein wichtiger Bestandteil der Kommunikation sein. Viele autistische Kinder nutzen Echolalie, um

  • Gefühle auszudrücken
  • Bedürfnisse mitzuteilen
  • Sicherheit und Struktur zu gewinnen

Diagnostik und Abklärung

Die Einschätzung erfolgt in der Regel durch Logopäden, welche die Sprachentwicklung im Rahmen einer Diagnostik beurteilen. Auch Eltern können die Sprachentwicklung im Alltag aufmerksam beobachten und bei Unsicherheiten das Gespräch mit dem Kinderarzt suchen.

Entscheidend ist nicht das Wiederholen an sich, sondern wie das Kind insgesamt kommuniziert.
Ist die Echolalie lediglich ein Begleitphänomen bei ansonsten altersgerechter Sprache, besteht meist kein Handlungsbedarf. Kommuniziert ein Kind über das Kleinkindalter hinaus jedoch fast ausschließlich über Echolalie, sollte eine weiterführende Abklärung erfolgen.

Kind bei Logopädie

Umgang mit dieser Sprachbesonderheit im Alltag

Ein angemessener Umgang ist für die Sprachentwicklung entscheidend:

  • ruhig bleiben und nicht korrigierend eingreifen
  • Wortwiederholungen als Kommunikationsversuch verstehen
  • klare, einfache Sprache verwenden
  • Sätze korrekt wiederholen, ohne zu tadeln
  • Sätze leicht variieren, statt sie zu verbieten

Geben Sie Ihrem Kind Zeit, sich beziehungsweise seine sprachlichen Fähigkeiten zu entwickeln.

Therapie und Förderung

Echolalie selbst ist kein Sprachfehler und daher nicht automatisch behandlungsbedürftig. Bei Unterstützungsbedarf kann jedoch eine logopädische Förderung sinnvoll sein. Ziel ist es,

  • die Verständigung zu verbessern
  • die eigene, aktive Sprache zu stärken

Echolalie wird dabei nicht abtrainiert, sondern sinnvoll weiterentwickelt.

Fazit: Echolalie ist nicht automatisch besorgniserregend

Echolalie kommt bei Kindern häufig vor und ist in den meisten Fällen völlig unbedenklich, insbesondere im frühen Kindesalter. Sie ist oft Teil eines individuellen Sprachlernwegs. Eine aufmerksame Beobachtung und ein wertschätzender Umgang sind entscheidend.


Wenn Echolalie jedoch im fortgeschrittenen Kindesalter anhält oder die Kommunikation stark einschränkt, sollte ärztlicher oder logopädischer Rat eingeholt werden.