Das polyzystische Ovarialsyndrom, kurz PCOS, ist eine der häufigsten hormonellen Störungen bei Frauen, vor allem im gebärfähigen Alter. Leider bleibt es oft lange unerkannt, denn die Symptome sind vielfältig und können sich im Laufe des Lebens verändern. Dadurch werden sie häufig fehlinterpretiert oder sogar bagatellisiert. Um ein besseres Verständnis für PCOS zu vermitteln, widmet sich dieser Artikel umfassend diesem Thema.
Was ist PCOS überhaupt?
Entgegen der landläufigen Meinung ist PCOS keine klassische Eierstockerkrankung, sondern eine Störung der hormonellen Steuerung im Körper. Der Name ist historisch bedingt und daher für viele irreführend, da er sich auf die Eierstöcke und nicht auf die hormonelle Ursache bezieht. Auch ist die Vorstellung, dass PCOS zwangsläufig mit Eierstockzysten einhergeht veraltet. Nicht jede betroffene Frau hat Zysten an den Eierstöcken, auch wenn dies häufig vorkommen kann.
Im Mittelpunkt der Erkrankung stehen vor allem:
- ein Ungleichgewicht der Hormone,
- eine veränderte Reifung der Eibläschen
- sowie häufig eine begleitende Insulinresistenz.
Das polyzystische Ovarialsyndrom ist dabei keine seltene Erkrankung, sondern betrifft einen relevanten Teil der weiblichen Bevölkerung. Dennoch bleibt es oft lange ohne eine klare Diagnose, weshalb die offiziellen Fallzahlen vermutlich deutlich zu niedrig sind.

Typische Symptome
Die Symptome von PCOS können sehr unterschiedlich sein, und nicht jede Frau zeigt alle oder die gleichen Beschwerden. Zu den häufigsten Anzeichen gehören unter anderem:
- unregelmäßiger Zyklus
- ausbleibende Menstruation
- verstärkte Gesichts- und Körperbehaarung
- Akne (auch im Erwachsenenalter)
- Haarausfall
- Gewichtszunahme oder Schwierigkeiten beim Abnehmen
- unerfüllter Kinderwunsch
- Stimmungsschwankungen
Viele dieser Symptome werden oftmals isoliert betrachtet und behandelt. Der zugrunde liegende Zusammenhang bleibt dabei häufig unerkannt, was die späte oder fehlerhafte Diagnose erklärt.
Hormonelle Hintergründe
Bei PCOS kommt es häufig zu erhöhten Spiegeln männlicher Hormone (Androgene) bei Frauen. Zusätzlich liegt oft eine gestörte Follikelreifung vor, wodurch es zu unregelmäßigem oder gar ausbleibendem Eisprung kommt.
Ein zentraler Faktor ist außerdem das Insulin: Viele Betroffene zeigen eine verminderte Insulinempfindlichkeit. Ein erhöhter Insulinspiegel kann die Androgenproduktion zusätzlich anregen, wodurch sich das hormonelle Ungleichgewicht weiter verstärkt – ein Teufelskreis.
Wie wird PCOS diagnostiziert?
Die Diagnose von PCOS erfolgt nicht über einen einzelnen Test, sondern durch die Gesamtbetrachtung mehrerer Faktoren. Dazu gehören unter anderem:
- eine ausführliche Zyklusanamnese
- Blutuntersuchung (Hormone)
- Ultraschall der Eierstöcke
Zusätzlich werden andere mögliche Ursachen ausgeschlossen – PCOS ist daher eine sogenannte Ausschlussdiagnose.
Wichtig: PCOS kann auch ohne sichtbare Zysten an den Eierstöcken vorliegen. Eine sorgfältige ärztliche Abklärung ist daher entscheidend.

Behandlungsmöglichkeiten
Das polyzystische Ovarialsyndrom ist nicht heilbar, lässt sich jedoch gut behandeln. Die Therapie richtet sich nach den individuellen Beschwerden und Lebenszielen der Betroffenen.
Mögliche Behandlungsansätze sind:
- Zyklusregulation durch hormonelle Therapien
- Behandlung erhöhter Androgenspiegel
- Verbesserung der Insulinempfindlichkeit, ggf. auch medikamentös
- Unterstützung bei unerfülltem Kinderwunsch
Nicht immer sind Medikamente notwendig – oft spielen Lebensstil und Ernährung eine zentrale Rolle.
Alltagstipps bei PCOS
Ein ganzheitlicher Umgang mit PCOS kann die Symptome deutlich lindern. Hilfreich sind unter anderem:
- eine ausgewogene, blutzuckerstabile Ernährung
- regelmäßige Bewegung ohne Überforderung
- Stressreduktion und ausreichender Schlaf
Kleine, nachhaltige Veränderungen wirken häufig langfristig besser als radikale Maßnahmen. Daher lohnt es sich, den eigenen Lebensstil behutsam zu reflektieren und entsprechend anzupassen.
Fazit: Guter Lebensstandard trotz PCOS möglich
PCOS ist eine komplexe und oft unterschätzte hormonelle Störung. Sie betrifft nicht nur den Zyklus, sondern auch den Stoffwechsel und das allgemeine Wohlbefinden
Das bedeutet dennoch nicht, dass ein erfülltes, stabiles Leben nicht möglich ist – mit Wissen, Begleitung und Selbstfürsorge lassen sich viele Beschwerden gut in den Griff bekommen.

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