Einfache Schnittwunden gehören zu den häufigsten Alltagsverletzungen. Sie können zum Beispiel durch Messer, Glasscherben oder sogar durch Papier entstehen. Auch wenn sie klein und harmlos wirken, ist die richtige Erstversorgung entscheidend. Sie beeinflusst die Heilungsdauer, die Narbenbildung und das Infektionsrisiko.
In diesem Artikel geht es darum, wie Sie Schnittwunden richtig versorgen und wann eine ärztliche Abklärung sinnvoll oder notwendig ist.
Erste Einschätzung: Die wichtigsten Fragen
Um eine Schnittverletzung richtig einschätzen zu können, sollten Sie sich zunächst folgende Fragen stellen:
- Wie tief ist die Wunde?
- Wie lang ist der Schnitt?
- Blutet die Wunde stark oder nur leicht?
- Klaffen die Wundränder auseinander?
- Wo befindet sich die Verletzung?
Ein Pflaster oder eine häusliche Versorgung genügt in der Regel, wenn die Wunde oberflächlich ist, nicht stark blutet und die Wundränder gut aneinanderliegen.
Liegen die Wundränder hingegen weit auseinander, sollte eine medizinische Versorgung in Betracht gezogen werden. Besteht eine starke Verschmutzung oder zeigen sich Anzeichen einer Infektion wie Rötung, Schwellung oder Druckschmerz, ist ebenfalls eine ärztliche Abklärung sinnvoll.
Auch die Lokalisation der Verletzung spielt eine wichtige Rolle. Schnittwunden an Fingern (außer größere Schnitte) oder Armen sind meist weniger kritisch als Verletzungen im Gesicht (Narbenrisiko) oder an Gelenken, die ständig in Bewegung sind.
Merke: Richtige Erstversorgung
Eine sorgfältige Erstversorgung trägt wesentlich dazu bei, Komplikationen zu vermeiden und die Wundheilung zu unterstützen. Zunächst sollten Sie hierfür die Hände gründlich waschen, um keine Keime in die Wunde einzubringen. Anschließend wird die Verletzung mit sauberem, klarem Wasser ausgespült, um Schmutz und Fremdkörper zu entfernen.
Bei Bedarf können Sie die Wunde vorsichtig desinfizieren. Danach sollte sie trocken getupft und nicht gerieben werden, um das empfindliche Gewebe nicht zusätzlich zu reizen. Zum Abschluss kleben Sie locker, aber sicher, ein Pflaster auf, sodass die Wunde geschützt ist, ohne die Durchblutung zu beeinträchtigen.
Wann ist mehr als ein Pflaster nötig?
Eine ärztliche Abklärung ist sinnvoll oder notwendig, wenn:
- die Wunde tief ist
- sie stark oder pulsierend blutet
- Fettgewebe sichtbar ist
- die Wundränder weit auseinanderklaffen
- die Wunde länger als 2–3 Zentimeter ist
Ebenso wichtig ist die Ursache der Verletzung. Ein Papierschnitt ist meist unproblematisch. Wurde die Wunde jedoch durch stark verschmutzte Gegenstände, Metall, Glas oder einen Tier- oder Menschenbiss verursacht, sollte unbedingt ärztlicher Rat eingeholt werden.
Besondere Vorsicht
Besondere Aufmerksamkeit ist geboten, wenn sich Schnittwunden im Gesicht befinden (erhöhtes Narbenrisiko) oder wenn Gelenke betroffen sind, welche durch die ständige Bewegung schlechter heilen. Auch tiefe Schnittverletzungen an Händen oder Fingern sollten ernst genommen werden.
Auch ist bei Kindern sowie bei Menschen mit Diabetes oder Durchblutungsstörungen besondere Vorsicht geboten, da selbst kleine Verletzungen hier komplizierter verlaufen können.

Wann muss genäht oder geklebt werden?
Eine Wunde sollte genäht oder anderweitig medizinisch verschlossen werden, wenn sie besonders tief ist oder die Wundränder deutlich auseinanderklaffen. Auch dann, wenn ein Pflaster nicht ausreicht, um die Wundränder sicher zusammenzuhalten, ist eine ärztliche Versorgung notwendig.
In bestimmten Fällen kann das klassische Nähen durch Wundkleber oder spezielle Wundverschlussstreifen ersetzt werden. Welche Methode geeignet ist, entscheidet das medizinische Fachpersonal, häufig in Absprache mit der betroffenen Person und unter Berücksichtigung von Wundart, Lage und Heilungsbedingungen.
Anzeichen für eine Infektion
Bei folgenden Symptomen sollte unbedingt ein ärztlicher Rat eingeholt werden:
- zunehmende Rötung
- Schwellung
- Schmerzen
- Überwärmung der betroffenen Stelle
- Eiterbildung
- Fieber
Treten eines oder mehrere dieser Anzeichen auf, sollten Sie nicht abwarten und sich direkt ins Krankenhaus begeben.
Was man besser vermeiden sollte
Bei der Wundversorgung gibt es einige verbreitete Irrtümer, die den Heilungsverlauf sogar behindern können. Dazu gehört der Mythos, dass Wunden an der Luft besser heilen. Tatsächlich sollten frische Schnittwunden zumindest in der Anfangsphase geschützt abgedeckt werden, um das Risiko einer Infektion zu reduzieren.
Ebenso sollte ein unnötiges Öffnen der Wunde vermieden werden, da dies den Heilungsprozess stören und die Narbenbildung begünstigen kann. Der Einsatz aggressiver Desinfektionsmittel ohne konkreten Bedarf ist ebenfalls nicht empfehlenswert, da sie gesundes Gewebe schädigen könnten.
Besonders wichtig ist zudem, stark verschmutzte Wunden nicht vorschnell zu verschließen. Diese müssen zunächst gründlich gereinigt werden, bevor sie abgedeckt oder versorgt werden, um eingeschlossene Keime und daraus resultierende Infektionen zu vermeiden.
Fazit: Schnittwunden muss man richtig einschätzen können
Viele Schnittwunden sind harmlos und können gut zu Hause versorgt werden. Entscheidend sind Tiefe, Blutung, Wundrand und das Infektionsrisiko.
Im Zweifel gilt: Lieber einmal mehr ärztlich abklären lassen als einmal zu wenig, denn eine gute Erstversorgung unterstützt eine schnelle und komplikationsfreie Heilung.

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